
Politik gestalten und nicht Nörgeln etablieren!
11. Dezember 2025
zuhören – anschauen – machen
7. Januar 2026Behörden –> Ämter -> komplizierte Wege -> was sich ändern muss!

Behördengänge nerven in jedem Land und mit der Behördensprache kommen selbst Muttersprachler nicht immer zurecht. Ich möchte deswegen einmal meinen Weg durch italienische Behörden, als Nicht-Muttersprachler aber des Italienischen durchaus gut mächtig, beschreiben.
Ich brauchte einen Codice Fiscale, eine Steuerkarte. Vorher musste ich in Rom gemeldet sein. Die Meldung war nur möglich, wenn ich nachweisen konnte, warum ich in Italien lebte. Der Nachweis war nicht möglich, weil meine Unterlagen für die Einschreibung an der Hochschule dreimal auf dem Weg von Deutschland nach Italien verloren gingen. Deswegen erhielt ich nur eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung, die ich übrigens bei der Ausreise hätte vorzeigen müssen (sie liegt ungesehen jetzt noch vor). Die Einschreibung erfolgte Wochen nach Einschreibeschluss, da erst da die Unterlagen kamen. Der Termin war also nicht das Problem, da eh klar war, dass Termine nur Schall und Rauch sind. Nach Einschreibung erhielt ich von einer freundlichen Hochschulmitarbeiterin ein Empfehlungsschreiben (Raccomandazione), um die Beantragungsunterlagen zu erhalten. Diese erhielt ich, füllte sie aus und ging stolz damit zum Finanzamt. Dort wurden die Unterlagen nicht akzeptiert, denn sie kamen von einem Beamten vom Vortag und der gab Unterlagen aus, die der aktuell Zuständige nicht anerkannte. Mit den dann neu erworbenen Vorlagen gelangte ich zur Anmeldung. Die Bestätigung durch das Finanzamt ging danach auf postalischem Weg zweimal verloren. Ein erneuter Gang zum Amt war erforderlich…. Warum benötigte ich eine Steuerkarte in Italien? Ganz einfach, ich wollte in der universitären Mensa Essen gehen und das geht nur, wenn die Mensakarte unter Nachweis einer Steuernummer erteilt wurde. Nach rund vier Monaten konnte ich den Nachweis endlich erbringen. In der Zwischenzeit ging ich trotzdem in die Mensa und wie ich das schaffte, ist eine andere Geschichte, die formal vielleicht falsch aber pragmatisch erfolgreich war. Was immer hilfreich war: Das Verständnis und das Wohlwollen der ausübenden Beamten, die sich alle einig waren, wie unsinnig alles abläuft.
Warum diese Geschichte? Ich kandidiere am 8. März für den Stadtrat in Regensburg und kenne aus eigener Erfahrung wie schwierig es ist, sich in Behörden zurecht zu finden, wie schwierig es vor allem für Nicht-Muttersprachler ist, sich mit komisch anmutenden Regeln, neuen Begriffen und unklaren Wegen zurecht zu finden. Wir müssen die Sprache und die Regeln einfacher gestalten und wenn es kompliziert wird, Menschen an die Hand nehmen und durch den Behördendschungel lotsen. Das gilt übrigens nicht nur für Nicht-Muttersprachler, denn Regeln und die begleitende Behördensprache wurden von Akademikern verfasst. Sie sollen aber allen Menschen leicht nachvollziehbar zugänglich sein. Ich möchte mich dafür einsetzen.
Ps.: Seit meiner Zeit in Rom in den Jahren 1995 und 1996 hat sich sicher etwas geändert. Trotzdem, und viele meiner italienischen Freunde bestätigen mir das, die Wege gestalten sich immer noch so oder so ähnlich.

